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Homeoffice mit Katze

Homeoffice oder Büro – auch eine Frage des Typs

Zumindest räumlich ist in vielen Kanzleien wieder annähernd der Normalzustand eingekehrt. Die in der oft unfreiwilligen Homeofficezeit gewonnenen Erfahrungen führen bei den Mitarbeitern zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. Hier mein Versuch einer Ursachenanalyse.

Die Erfolgskriterien für gute Homeoffice-Arbeit

Natürlich hängt viel von den jeweiligen Lebensumständen ab: Single oder Partner – Kinder klein oder groß, Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung bequem machbar oder Küchentisch …

 

Und es hängt auch von der verwendeten Technik ab … trotz aller Improvisation hat sich gezeigt, dass gerade die Tools für die Kommunikation untereinander eine wichtige Rolle spielen. Sicher wollen Mitarbeiter nicht über die Testphase hinweg mit dem eigenen Telefon/ Handy für Chef und Mandanten erreichbar sein.

 

Eine weiter wichtige Rolle spielt die Auftragsorganisation – wer macht was bis wann?

Die Persönlichkeit als klar mitbestimmender Faktor

Nach einer Reihe von Gesprächen mit Chefs und Mitarbeitern und einer aktuell durchgeführten Mitarbeiterbefragung ist mir allerdings auch klar geworden, dass auch das Thema Homeoffice etwas mit dem jeweiligen Persönlichkeitstyp zu tun hat.

Der eine findet Homeoffice trotz eigenen Handys gut, die andere vermisst den Kontakt zu den Kollegen so extrem, dass sie sich total einsam fühlt.

Während die eine einfach konzentriert auch zu Hause ihre Dinge abarbeitet, lässt sich der andere eher leicht ablenken und braucht so im Homeoffice länger als im Büro.

Der eine „kettet“ sich nach der Rückkehr ins Büro quasi an den Schreibtisch und möchte nie mehr zu Hause arbeiten, die andere kann sich gut vorstellen nur noch 1 – 2 Tage ins Büro zu kommen.

Persönlichkeitseigenschaften

Ich arbeite seit einiger Zeit mit dem Persönlichkeitstypensystem von Insights Discovery®, das wie die meisten verbreiteten Modelle auf den Erkenntnissen des Psychologen C. G. Jung basiert. Hier gibt es vier verschiedene Grund-Typen. Sie ergeben sich sehr vereinfacht aus zwei Unterscheidungskriterien :

  • Die Einstellung: Intravertiert oder Extravertiert?
  • Die Entscheidungsfindung: Denken oder Fühlen?

Dabei hat niemand nur eine „Farbe“ – es gibt aber sogenannte Präferenzen, also Verhaltensweisen, die wir intuitiv zeigen.

 

Sie vermuten vielleicht jetzt: Menschen, die eher im „Denken“ unterwegs sind – also eher sachorientiert arbeiten – kommen mit Homeoffice in der Regel besser zurecht als die Menschen, die eher im Gefühl zu Hause sind. Diese sind beziehungsorientiert und vermissen die Gesellschaft der Kollegen und auch Mandanten schnell. Ob das für den Chef auch gilt kommt natürlich auf Sie als Chef an 😉

 

Grundsätzlich eine gute Idee, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Wir schauen uns die vier Grundtypen und ihre Bedürfnisse im Homeoffice genauer an:

Der „Direktor“ mit viel roter Energie

Extrovertiert und Sachorientiert will er Ziele schnell erreichen. Er lässt sich von Kollegen oder anderen „Störenfrieden“ nicht leicht ablenken. Fokus kann er aus dem Effeff.

Er kommt daher mit dem Homeoffice gut zurecht.

Auf „Lagerfeuer-Rituale“ mit persönlicher Note kann er weitgehend verzichten. Es geht schließlich um den Job.

Hat er allerdings „blaue Einsprenkelungen“ kann er im Homeoffice sein Kontrollbedürfnis nur bedingt ausleben.

Ich mache es hier kurz, da in Kanzleien die wirklich „Roten“ unter den Mitarbeitern nur selten zu finden sind.

Wenn Sie als Chef dazu gehören, finden Sie sich hier wieder.

Vorsicht bei der „Führung per Email oder Chat“ – verfallen sie nicht in einen „Befehls-Stakkato“ 😉

Der „Insiprator“ - sonnengelb und neugierig

Auch dieser Typ ist extrovertiert und braucht eine „Bühne“ für seine zahlreichen Ideen. Im Büro ist er auch mal der „Ablenker“, denn er hat permanent etwas zu erzählen.

Seine Neugier hilft ihm dabei das auch im Homeoffice technisch umzusetzen – er hat keine Berührungsängste bei Chat oder Videokonferenz.

Effiziente Selbstorganisation ist allerdings nicht unbedingt seine Stärke – ein gutes Aufgabenmanagement-Tool in der Kanzlei ist für Sie bei der Führung dieses Typs besonders wichtig.

Er braucht wie alle beziehungsorientierten Typen aber immer wieder auch den persönlichen Kontakt.

Der „Unterstützer“ – stark beziehungsorientiert und Harmonie bedürftig

Ihm fällt der Wegfall des permanenten persönlichen Kontaktes besonders schwer. Er will andere unterstützen, das gute Betriebsklima „spüren“ und aufrecht erhalten und Konflikte vermeiden bzw. bei ihnen vermitteln.

 

Es sind gerade diese Typen, die gerade sehr froh sind, alle ihre „Schäfchen“ wieder im Büro um sich zu haben.

Diese Typen kümmern sich häufig aber auch zu Hause um Kinder/ Eltern. Daher ist für sie Homeoffice eine gute Gelegenheit beide Welten zu kombinieren.

Er wird aber eher nicht der Typ sein, der ausschließlich im Homeoffice arbeiten möchte.

Führen Sie bei solchen Typen zumindest bei den Arbeitsbesprechungen mit Ihnen als Chef auf jeden Fall Videokonferenzen ein. Auch wenn selbst dort das Bindungshormon Oxytocin nur in sehr geringen Mengen ausgeschüttet wird – immerhin mehr als beim reinen Telefonieren oder Chatten.

Ein „Lunch-Buddy“ kann auch helfen: Warum nicht per Videokonferenz zusammen Mittagspause machen?

Wichtig hier auch: Informieren Sie als Chef über die „Lage der Kanzlei“: Was ist gerade los. Ist jemand krank oder im Urlaub?

Diesen „Flurfunk“ kann gut ein Chatsystem wie Slack oder MS Teams erledigen.

 

Nach meiner Erfahrung gibt es in Kanzleien nur sehr wenige Mitarbeiter(innen), die keinen erheblichen grünen Anteil in sich tragen … Als intravertierte Typen

Der „Beobachter“ – Aufgabenorientiert und intravertiert

Dieser Typ kann im Homeoffice endlich in Ruhe und ohne viel Kommunikation von außen arbeiten.

Als Perfektionist fordert er allerdings dann auch das gute Funktionieren der technischen Tools ein.

Außerdem ist ihm die Trennung zwischen Arbeit und privatem Bereich sehr wichtig. Erwarten Sie also nicht, dass er sein eigenes Telefon/ Handy für Mandantenkontakte nutzt.

 

Der persönliche Kontakt kann aus seiner Sicht auf ein Minimum beschränkt werden.

Hier sollten Sie als Chef den Kontakt aktiv einfordern, ein komplette Isolation vom Team wird aus Sicht der anderen („grünen“) Kollegen schnell zu Unmut führen.

 

Fazit – typgerechtes Homeoffice als Erfolgsfaktor

Natürlich hoffen wir alle, dass die C-Krise uns wie bisher in Deutschland einigermaßen verschont.

Trotzdem bleibt ja die Frage wie das „neue Normal“ aussehen wird. Auch ohne Virus gibt es gute Gründe für Homeoffice – Klimawandel, teure Immobilienkosten in Städten, Zeitersparnis durch weg fallende Wege, …

 

Es lohnt sich also, im Rahmen eines Workshops in der Kanzlei das Pro und Contra sowie die benötigten Tools und Organsationsbedingungen auch unter dem Aspekt des jeweils  individuellen Typs der Mitarbeiter (und des Chefs) zum Thema zu machen.

 

Homeoffice oder Büro – auch eine Frage des Typs

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