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Top oder Flop – warum nicht mal Wahlen in der Kanzlei

11. Juni 2019 | Europa hat gewählt, Deutschland wählt – und Demokratie ist im Moment tatsächlich mal wieder spannend. Sie ist und bleibt im Moment einfach die beste Alternative gegenüber allen anderen Staatsformen.

Aber kann Demokratie auch in der Kanzlei funktionieren? Kann die Basis – also die Mitarbeiter – mit bestimmen, welchen Kurs das Kanzleischiff haben soll? Oder ist das doch wohl bitte Sache der Kanzleileitung?

Die „neue Führung“ kommt gern „Hierarchie frei“ daher. Und wie wir Deutschen nun mal sind, denken wir schnell in Extremen. Basisdemokratie in der Kanzlei? Lieber nicht. Gerade Sie als Freiberufler zeichnen sich doch genau dadurch aus, dass Ihre Kanzlei sehr stark durch Ihre Persönlichkeit geprägt ist. Wie oft höre ich in letzter Zeit von Verständnisschwierigkeiten mit den jungen Generationen …

Und die sollen jetzt bestimmen wo es lang geht?

Bleiben wir einfach leidenschaftslos und verabschieden uns vom „ganz oder gar nicht“ der Extreme.

Sie müssen Ihre Mitarbeiter ja nicht gleich entscheiden lassen, ob Sie die Kanzlei verkaufen 😉

Es kann jedoch nach meiner Erfahrung sehr gut sein, die Mitarbeiter an den Stellen mehr einzubinden, an denen sie direkt betroffen sind. Häufig haben Ihre Mitarbeiter insbesondere in den alltäglichen Prozessen einfach mehr Wissen und Informationen für die Entscheidung als Sie selbst. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Die finale Entscheidung bleibt dabei zunächst bei Ihnen, Ihre Mitarbeiter haben aber zumindest ein Vorschlagsrecht. Der Hintergrund: Wenn Sie Entscheidungen – zum Beispiel auch was die Tools zur Digitalisierung angeht – einsam treffen, haben Sie nachher (hoffentlich) das perfekte Tool – aber wenn Ihre Mitarbeiter das Tool nicht wirklich nutzen …

Wenn Sie mehr Demokratie wagen wollen hier aber mein ultimativer Tipp:

Die Wahl zum Mandant des Jahres

jeder Mitarbeiter erhält ein Formular, in das er genau zwei Namen schreiben kann: seinen „Lieblingsmandanten“ und seinen „Problemmandanten“. Dies passiert in geheimer Wahl und ohne Angabe irgendwelcher Gründe. Natürlich wählen auch das Sekretariat und die Azubis mit. Und auch Sie selbst sind dabei.

Bei der Auswertung haben Sie dann meist ziemlich schnell „Favoriten“ – in beiden Kategorien. Ihren neuen Lieblingsmandanten können Sie feiern: Urkunde, Sekt, wenn er mag auch auf Facebook und Co.

Was aber machen Sie mit den bei Ihren Mitarbeitern „durchgefallenen“ Mandanten? Keine Frage, die Entscheidung einen Mandanten zu kündigen, treffen Sie. Und keine Sorge, ich habe das mit meinen Mitarbeitern mehrere Jahre praktiziert – sie haben niemanden grundlos zum „Unmandanten“ erklärt.

Aktuell – und das wird sicher eine Weile so bleiben – ist es aber viel schwieriger Mitarbeiter zu finden als Mandanten. Gute, moderne Kanzleien können es sich leisten, nur noch die Mandanten anzunehmen, die „passen“.

Weiter gedacht ist jetzt aber auch der ideale Zeitpunkt sich von Mandanten zu trennen, die ich gerne die „U -Mandanten“ nenne. Das U steht dabei für alles, was Sie nicht mögen: Unzuverlässig (auch bei der Zahlung), unhöflich, unbelehrbar – Ihnen fallen bestimmt noch andere Kriterien ein.

Ich gebe Ihnen heute das folgende Bild mit: Der von Ihren Mitarbeitern zum Unmandanten des Jahres gekürte Mandant kommt gedacht wie Sie es aus den Piratenfilmen kennen auf die Planke, die aus dem Schiff ragt. Unter ihm kreisen schon die Haie. Sie überlegen sich mit Ihren Mitarbeitern gut, unter welchen Bedingungen dieser Mandant wieder an Bord darf. Erfüllt er die Bedingungen nicht … Dann gilt es nur noch den richtigen Zeitpunkt zu finden. Und das kann gut ein neuer, interessanter Mandant sein, den Sie eigentlich wegen der fehlenden Kapazitäten gar nicht annehmen dürften …

Entdecken Sie den Piraten in sich ;-)) Und entdecken Sie welch starkes Motivationselement so eine Wahl sein kann.

 

 

Top oder Flop – warum nicht mal Wahlen in der Kanzlei

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